• ... und die Welt hebt an zu singen...

 

  Ausstellung vom 3. Juli bis 26. September

 

Galerie Barsikow

16845 Barsikow, Dorfstraße 35

 

Eröffnung:

Samstag, 3. Juli 2020, 15 Uhr

  Öffnungszeiten: Sa/So 15-18 Uhr u.n.V.

Ausstellungsdauer bis 26.9.2021

 

Es gelten die aktuellen Corona-Regeln

 

 

… und die Welt hebt an zu singen… das kann man ganz im Sinne Eichendorffs und der Romantiker verstehen, man kann es aber auch sozusagen gegen den Strich lesen. Was allgemein damit gesagt werden soll, ist dieses: Die Sicht auf ein Ding oder eine Situation ist in der Regel höchst subjektiv, und wie man die Sache bewertet, ist grundlegend eine Frage der Perspektive. Sobald man letztere ändert, kann beispielsweise aus einer scheinbar schönen Sache etwas Hässliches werden, oder umgekehrt: auch etwas Hässliches kann unerwartet schöne Seiten zeigen; etwas Unbewegtes kann zu etwas Bewegtem werden und etwas Starres kann plötzliches Leben offenbaren; etwas Erschreckliches lässt auch humoristische Aspekte erkennen und scheinbarer Witz verrät dahinter lauerndes Grauen.

 

Jeder von uns, die wir an diesem Projekt teilnehmen, interpretiert das Motto auf seine Weise: die einen eher wörtlich, die anderen metaphorisch, die einen im romantischen Sinne, die anderen gegen den Strich, die einen bildhaft - sei es als Fotografie, als Malerei oder als Skulptur - die anderen als Wort- und Tonkünstler.

 

 

 

Almut Staeglich - Klaus Roemer

 

la madrugada - und die welt hebt an zu swingen...

 

 ‚o flaumenleichte Zeit der dunklen Frühe.... 

 es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohen‘ (Mörike) 

 ...........

 Larai, larai, larai, larai, laralero...

 ¡qué linda la madrugada

 Con ese sol trafoguero! (Daniel Viglietti) 

 

Larai, larai, larai, larai,

Wie schön der Morgen ist

Bei dieser heißen Sonne! 

 ..................

 die herrschaft der schatten erlischt

 die sonne löst sacht

 den bann der nacht,

 befreit lichter, farben und klänge 

 aus ihren fängen 

 der tagvogel 

 schwingt sich in die höh, 

 stimmt an die hymne

 an den neuen tag: 

 und die Welt hebt an zu singen!

und die Welt hebt an zu swingen!  

.......................

zuerst noch schüchtern

hebt an der jubelgesang

der gefiederten gesellen 

und flötenklänge mischen sich darein

den blüten entströmen 

ihre reinsten düfte - 

‚after the rain‘ *

perlen klänge in den tag 

uns an der seite 

schleicht sich schüchtern

ein Haydn ins bild 

von weitem erklingt

ein quirlender BACH

und 

mündet ins swing-lebendige: 

‚it don’t mean a thing,

if it’s ain’t got that swing’

......................................

  *‘After the rain‘ (von John Coltrane) 

 

 

 

 

Barbara Töpper-Fennel

 

Die Natur ist mit ihrer Vielzahl von Formen und Farben ein unendliches Chaos. Die Ordnung, die wir manchmal in ihr zu erkennen vermeinen, ist letztlich nichts als die Ordnung, die wir in sie hinein projizieren, um nicht von ihrer Übermacht überwältigt zu werden. Denn wenn es auch Regeln und Gesetze zu geben scheint, so sind doch die Abweichungen von diesen oftmals dominant. Selbst im Winter, wenn alles ruht, gibt es unendliche Bewegungen, ein ewiges Werden und Vergehen. Dort, wo das eine stirbt, entsteht etwas anderes Neues; auf der toten grauen Baumrinde oder der abbröckelnden Mauer siedeln sich Moose, Pilze und Flechten in leuchtendem Rostrot, Ocker, Türkis oder Oliv an. Sie überlagern sich für den Betrachter mit den Nachbildern umliegender Landschaften. Dennoch ist das, was sich dem Auge zeigt, auf seltsam harmonische Weise immer auch wie ein vielstimmiger großer Gesang, in den der Schauende mit der eigenen inneren Stimme einfällt.

 

Doppelbelichtungen und Fotomontagen sind der Versuch, sich dieser Vielfalt und Vielstimmigkeit auf metaphorische Weise zu nähern.

 

 

 

 

Erika Mor

Die Spiegelungen nächtlicher Lichter in der Spree stellen sich wie Notenbewegungen und Schallwellen dar - sie singen ein Lied.

 

 

 

Karl-Heinz Stecher

 

„Und der Herbst hebt an zu singen… Perspektivwechsel der Jahreszeiten“

 

 

 

 

Matthias Beyer

 Die Zeile aus dem Gedicht von Eichendorff als diesjähriges Motto war wieder eine Herausforderung, einen Einstieg zu finden. Weder die Epoche der Romantik, aus der das Gedicht stammt, noch die mir nur schemenhaft bekannte Weltanschauung der fernen Vergangenheit ergaben für mich einen spontanen und am Ende überzeugenden Anstoß. Erst die dem Epochennamen verwandten Worte aus dem allgemeinen Sprachgebrauch romantisch und Romanze, beiden immanent ein Gefühl der Sehnsucht, ergaben erste Ansätze, mich dem Thema vorsichtig zu nähern.

 

Aktuell prüfe ich noch, ob ich eine Serie Fotos aus dem Fundus zu Gesang / Musik, oder ein die Musik erweiterndes Thema, den Tanz als körperliche Interpretation der Musik wähle. Ich hoffe es wird mir bei der letztendlichen Auswahl gelingen das Medium Musik / Tanz in die Bildsprache der Fotografie übersetzt darzustellen, damit die Welt anfängt zu singen.  Die hier gezeigten Fotos könnten Teil der Serie zum Thema Gesang / Musik werden. (Matthias)

 

 

 

Peter Fennel

 

Im Vordergrund meiner Arbeiten steht das Singen; Singen als Zauberwort. Singen in diesem Falle als Chorgesang. Der Schlaf des Liedes in allen Dingen kann nur durch Schöpfung eines weltumspannenden (himmlischen) Gesangs erweckt werden.

 

Mein Chor besteht aus neun Frauen, deren starren Körpern (Styropor, Fliesenkleber, Oxidationsmittel). Sie unterscheiden sich durch ihre Kopfhaltung und vor allem durch ihre Kopfbedeckung. Transparente Hüte und Hauben, die ihrer Starrheit ungeachtet in den Lichtspiegelungen des Materials (Fliegengitter) und vor allem in und durch dessen Faltenwürfe eine vielfältige Bewegtheit, Aufgeregtheit und Lebendigkeit vermitteln.

 

Zum Zauberwort hatte ich auch die Assoziation des Himmlischen Jerusalem. In der Apokalypse wird der Untergang der alten, bösen Welt beschrieben, an deren Stelle eine neue und bessere Welt entsteht: das Himmlische Jerusalem. Einer Stadt voller Schönheit, Reichtum, Glanz und Zuversicht, die sich vom Himmel herab auf die Erde senkt. Das hat etwas sehr Märchenhaftes und weist für mich auf den Begriff des Zauberwortes hin. (Peter)

 

 

 

Sibylle Meister-Holzfuß

Die Münder der Menschen:

 ...und die Welt hebt an zu singen… und übrigens: es schläft ein Lied in allen Dingen …

Durch zahlreiche Chorfahrten, die ich am Werner-von-Siemens Gymnasium begleiten konnte, habe ich großen Respekt vor der Kraft und Integrationsfähigkeit des gemeinsamen Singens erlangt und erlebt.  Das gemeinsame Singen, ob in Schul- oder sonstigen Chören oder wo und wie auch immer, verbindet Menschen, die sonst nicht unbedingt etwas miteinander zu tun hätten.  Durch die Überwindung eventueller Barrieren beim Singen können Vorurteile gemildert oder überwunden werden, Respekt gegenüber anders-Seienden entwickelt sich, Gemeinsamkeiten werden möglicherweise entdeckt und im Idealfall entstehen neue Beziehungen und Freundschaften. 

Vielleicht ist das gemeinsame Singen ja schon das Zauberwort? (Sibylle)

 

 

 

Suse Rumland

…und die Welt hebt an zu singen…
Diese Zeile habe ich zuerst als im Chor zu singen, verstanden, was für mich allerdings nicht in Frage kam. Und auch die Welt singt zur Zeit nicht wirklich, sondern schreit an allen Enden und Ecken. Aber die ganze Strophe löste bei mir etwas aus:

Schläft ein Lied in allen Dingen,

Die da träumen fort und fort,

Und die Welt hebt an zu singen,

Triffst du nur das Zauberwort.

 Es löste aus, dass im Andersartigen immer auch etwas Interessantes, Besonderes, Schönes enthalten ist, auch wenn es unverständlich, hässlich oder befremdlich ist. Und so entstanden meine zarten Bleistiftfiguren mit einem Tupfer Farbe. Vielleicht werden sie auch noch zum "Leben" erweckt. In Deutschland macht das Andersartige bis heute noch Angst. Die Ausrottung ist nie weit weg. Es braucht einen anderen Blick! (Suse)